Copyrighthinweis: Alle Texte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverwendung der Texte und Bilder jeder Art bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des jeweiligen Urhebers und ist gegebenenfalls honorarpflichtig. Eine nicht genehmigte Weiterverwendung kann strafrechtlich verfolgt werden und zieht eine Schadensersatzforderung nach sich. ⇔ Wenn Sie also Interesse an einem Nachdruck einer meiner Artikel oder Fotos haben, nehmen Sie bitte im Vorfeld Kontakt mit mir auf.
 

 
Bestattung
 
Bisher hier enthaltene Berichte:
Trickbetrüger und Abzocker nutzen die Trauerphasen bei Bestattungen schamlos aus 
Neue Bestattungsmethoden in den USA und Schweden erregen die Gemüter 
Die Wahl des Bestatters in Heimen und anderen Einrichtungen 
Eine evangelische Kirche soll zum Kolumbarium umfunktioniert werden 
Krematorien unter Verdacht illegaler Geschäfte mit Zahngold 
Nichts ist unmöglich - Oder: Worin möchten Sie bestattet werden? 
Immer wieder Ärger mit der Leichenschau und der Todesbescheinigung 
Neue Trauergruppe für Kinder in Kierspe 
 
Weitere Information auf anderen Seiten:
Der Tod ist nicht geplant (eBook Bestattungsratgeber, Kindle bei Amazon.de)
Eine Beerdigung im ländlichen Thailand (Thailand)
OZ24-Artikel: Bestattung (Übersicht mit Links zur OnlineZeitung24)
Achtung: Neuer Abzockerbetrug bei Sterbefällen (Link zum OZ24-Artikel)
Rezension: Peter Waldbauer „Die Bestattungsmafia“ (Rezensionen)
Rezension: Peter Waldbauer „Der Bestattungsratgeber“ (Rezensionen)
  

 
Trickbetrüger und Abzocker
nutzen die Trauerphasen bei Bestattungen schamlos aus
von © Axel Ertelt 
 
Gerade in den letzten Jahren hat es vermehrt wieder Versuche gegeben, Hinterbliebene zeitnah zum Sterbefall zu betrügen oder abzuzocken. Dabei nutzen die Abzocker, Trickbetrüger und auch Einbrecher die Trauerphase der Angehörigen schamlos aus. Um Sie als Angehörige vor materiellem und finanziellem Schaden zu bewahren, möchten ich Ihnen hier einen Überblick über die gängigsten Methoden des Trickbetrugs und der Abzocke geben:
 
Einbruch ins Trauerhaus
 
Einbrecher studieren die Traueranzeigen in den Tageszeitungen und wissen so genau, wann eine Wohnung unbeaufsichtigt ist. Dafür brauchen Sie heute nicht einmal mehr die Zeitung zu kaufen, da viele Tageszeitungen solche Anzeigen auch online veröffentlichen. Ich empfehle daher, die Wohnung bei der Beerdigung nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Bitten Sie Freunde oder Bekannte, die Wohnung während Ihrer Abwesenheit zu beaufsichtigen.
 
Verschiedentlich haben auch schon Polizeidienststellen geraten in den Traueranzeigen in den Zeitungen die Traueranschrift nicht anzugeben, um so den Einbrechern nicht die Adresse der bei der Beerdigung unbeaufsichtigten Wohnung „mitzuteilen“.
 
Abzocker-Angebote
 
Gar nicht selten erhalten Hinterbliebene dubiose Angebote – im Aussehen oft wie eine Rechnung aufgemacht und häufig mit ausgefülltem Überweisungsträger versehen. In diesen „Offerten“ geht es meistens um die Schaltung einer Traueranzeige oder eines Nachrufes in Jahrbüchern, auf Internetseiten oder in anderen dubiosen Medien.
 
Der letzte bekannt gewordene Fall datiert vom 16.12.2008. Eine Familie in Werdohl bekam die Offerte zur Schaltung eines Nachrufes im „Bundesanzeiger für Bestattungen“. Das Ganze mit Bundesadler versehen erweckte den Eindruck eines hochoffiziellen Organs. Versehen war diese „Offerte“ zudem mit dem Wort „Rechnung“ und einem ausgefüllten Überweisungsträger. Es handelt sich um eine private neue Internetseite, die weder etwas mit dem Bund, noch mit den Ländern (politisch) zu tun hat. Der Eintrag sollte 198,00 € kosten.
 
So etwas zielt nur auf eines heraus: Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im genannten Fall wurde Strafanzeige wegen Betrugverdachts gestellt, was zur Folge hatte, dass die Website mit vorerst folgender Begründung aus dem Internet genommen wurde: „Diese Seite befindet sich derzeit in Überarbeitung.Sollten wir jemanden mit unserem alten Angebot auf dieser Seite zu Nahe getreten sein, so möchten wir uns hierfür entschuldigen.“
 
Inzwischen ist sie jedoch wieder – leicht verändert – online. Vorsicht ist also nach wie vor geboten, wenn Sie von diesem „Bundesanzeiger“ ein Angebot erhalten. Überlegen Sie genau, ob Ihnen das ihr Geld Wert ist. Bezahlt man solche Angebots-Offerten, erscheint im günstigsten Fall die Anzeige. Es ist in der Vergangenheit aber auch schon vorgekommen, dass solche Medien (trotz) Bezahlung zahlreicher Geprellter niemals erschienen sind.
 
Sollten Sie also eine solche Offerte (auch Angebot oder Rechnung) bekommen, wenden Sie sich an Ihren Bestatter. Es ist nicht die Rechnung der regulären Traueranzeige aus der Tageszeitung, denn diese erhalten Sie in der Regel über das Bestattungsinstitut! Nur wenn Sie als Betroffene solche Vorfälle Ihrem Bestatter melden, kann dieser, gegebenenfalls mit Hilfe der Fachverbände, dagegen vorgehen und andere vor dieser Abzocke warnen.
 
Rechnungen und Mahnungen
 
Auch eine beliebte Masche der Trickbetrüger ist es, Verstorbenen Rechnungen oder gar Mahnungen (nicht selten bei Mahnungen auch die Androhung rechtlicher Schritte) zu übersenden.
 
Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass es auch mal eine berechtigte Rechnung oder Mahnung ist. - Jedoch: Bezahlen Sie nicht einfach gleich drauflos, sondern prüfen Sie die Rechnung (oder Mahnung) genau und lassen sich vom Absender nähere Angaben und Unterlagen (beispielsweise Kopie der Bestellung) zusenden. Weisen Sie daraufhin, dass der Empfänger verstorben ist und Sie die Angelegenheit erst prüfen müssen. Ist es eine berechtigte Forderung, haben seriöse Firmen für Ihre Situation Verständnis.
 
Äußerste Vorsicht ist jedoch immer dann angeraten, wenn es sich um Rechnungen oder Mahnungen erotischen Inhalts (beispielsweise pornografische Artikel oder Gentests/Vaterschaftstests) handelt. Solche gehen überwiegend an männliche Verstorbene. Dabei handelt es sich in den allermeisten Fällen um einen versuchten Trickbetrug. Die Trickbetrüger nutzen hier das Schamgefühl der Hinterbliebenen aus, die nicht selten schnell bezahlen, damit die jetzt vermuteten erotischen Neigungen des Verstorbenen nicht an die Öffentlichkeit gelangen.
 
Im zweiten Halbjahr 2008 fand der vorerst letzte spektakuläre Fall statt, bei dem ein angebliches Kölner Genlabor (Dr. Engelhardt genetic research) mehre Hundert Euro für eine angebliche DNA-Analyse (Vaterschaftstest) verlangte. Dank einer skeptischen Witwe, deren verstorbener Ehemann seit Jahren ein Schwerstpflegefall war, und die diese Sache zur Anzeige brachte, konnte der Schwindel aufgedeckt werden. Mehr als 900 Strafanzeigen wurden inzwischen bundesweit dazu gestellt. Im Zweifelsfall schalten Sie in solchen Fällen einen Anwalt ein und stellen Strafanzeige wegen Betrugverdachts.
 
Ebenfalls 2008 wurden mindestens zwei Fälle bekannt, wo im Raum Essen die Angehörigen nach einer Bestattung fingierte Bestattungskosten-Rechnungen erhielten, die von einer (nicht existierenden) „Zentrale Vereinigung und Zusammenschluss der Beerdigungsunternehmen und Bestattungsinstitute e.V., Hauptsitz Düsseldorf“ kamen.
 
Diese trat als Inkassobüro im Namen der „Bestatter des Vertrauens“ auf. Der Rechnungsbetrag belief sich in diesen Fällen auf 1.647,90 Euro. Alternativ zur Überweisung könne man das Geld auch in Bar, per beigefügten Rückumschlag, an eine Düsseldorfer Adresse schicken. Dann sei die Rechnung mit der Übersendung von lediglich 1.100,00 Euro abgegolten.
 
Das mag manchen verleiten den Betrag in Bar zu verschicken. Doch das Geld wäre vermutlich unwiderruflich verschenkt, denn das Hereinfallen auf einen solchen Betrug entbindet natürlich nicht von der Begleichung der tatsächlichen Bestattungskosten.
 
Ein paar Tipps und Regeln, die Sie vor Schaden bewahren können
 
1.  Verzichten Sie in den Traueranzeigen der Tageszeitungen auf die Veröffentlichung der Traueranschrift.
  • Viele Tageszeitungen haben auch Online-Portale, wo die Traueranzeigen für jeden im Internet abrufbar sind. So brauchen die Einbrecher nicht einmal mehr die Zeitung zu kaufen…
  • Wenn Sie die Traueranzeige trotzdem mit Traueranschrift veröffentlichen wollen, stellen Sie sicher, dass Ihre Wohnung während der Beerdigung beaufsichtigt wird…
  • In den Trauerdrucksachen kann die Traueradresse veröffentlicht werden, da diese ja nur an Verwandte und Freunde gehen…
 
2.  Wenn Sie ein Angebot (Offerte) über eine Traueranzeige erhalten, die vielleicht wie eine Rechnung aussieht oder das Wort Rechnung gar enthält, ist es vermutlich der Versuch einer Abzocke oder eines Betruges.
  • Bezahlen Sie nicht und klären Sie dies umgehend mit Ihrem Bestatter, der die Beerdigung ausgeführt hat.
  • Die regulären Traueranzeigen werden in der Regel über Ihren Bestatter abgerechnet. Das gilt auch für Danksagungsanzeigen oder Jahresgedächtnisse, wenn diese Anzeigen über Ihren Bestatter in Auftrag gegeben wurden…
 
3.  Wenn Sie eine Rechnung oder Mahnung über Sexartikel, pornografische Artikel oder Vaterschaftstest (oder ähnliches) erhalten, bezahlen Sie nicht.
  • Wenden Sie sich auch in solchen Fällen umgehend an Ihren Bestatter, Anwalt oder die Polizei und stellen Sie gegebenenfalls Strafanzeige wegen Betrugverdachtes.
 
So schützen Sie sich weitgehend vor Abzocke und Trickbetrug!
 
Berichte zum Thema:
  1. Achtung: Neuer Abzockerbetrug bei Sterbefällen
  2. Neuer Trickbetrug: Mahnungen vom Gen-Labor
  3. Noch keine heiße Spur im Fall „Dr. Engelhardt“ 
  4. Die Bestattungs-Mafia [von Peter Waldbauer] Rezension eines Buches in derm der Autor eine ganze Branche in den Schmutz zieht und dies nur anhand von Hörensagen und Gerüchten macht. Zudem enthält das Buch katastrophal viele sachliche Fehler. 

Weitere Informationen zum Thema: 

„Dr. Engelhardt“ vor Gericht
 
Der sich „Dr. Engelhardt“ nennende Trickbetrüger vom angeblichen Genlabor (genetic research) steht mitsamt seinen drei Komplizen seit dem 1. Juli 2009 vor Gericht.
 
Reiner B. (39) und seine Komplizen Jens-Uwe H. (40) und Timo F. (37), sowie dessen Freundin Lisa S. (27) müssen sich nicht nur wegen des rund tausendfachen Betrugversuches mit gefälschten Mahnungen angeblicher Gentest an Witwen [wir berichteten darüber] verantworten sondern auch noch wegen zahlreicher anderen Delikte. Sie müssen sich wegen schweren Bandenbetrugs in 33 Fällen verantworten. Ihnen drohen bis zu 10 Jahre Haft.
 
Reiner B., der bereits Anfang November 2008 beim Geldabheben an einem Geldautomaten in Essen verhaftet wurde besaß für seine Betrügereien mehr als 150 falsche Identitäten und 86 Kreditkarten, hatte die Polizei immer wieder genarrt und sich selbst als „König der Betrüger“ bezeichnet. Er war sogar so dreist (oder dumm) ein Foto von sich mit einer Krone auf dem Kopf ins Internet zu stellen…
 
© Axel Ertelt (aus: Bestattung aktuell Nr. 14,
ehemalige Kundeninformation von Bestattungen Ertelt oHG, Halver)
 

 
Neue Bestattungsmethoden
in den USA und Schweden erregen die Gemüter
von © Axel Ertelt
 
USA: Auflösen in Lauge
 
Seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entsorgen Universitäten und Forschungsinstitute in den USA Tierkadaver (und hin und wieder auch menschliche Leichenteile), indem diese in einem speziellen Edelstahl-Tank mit spezieller Lauge aufgelöst werden. Jetzt will der Hersteller dieser Tanks allen Ernstes offiziell in die Bestattungsbranche einsteigen.
 
Das sei, so heißt es von Seiten der Firma, viel ökologischer als die herkömmlichen Bestattungsarten. Die Flüssigkeit, die bei diesem Prozess entsteht sei unbedenklich und könne im normalen Abfluss entsorgt werden. Wie es bereits in der Presse hieß, scheint die US-Bestattungsbranche dieser, an Mafia-Methoden erinnernde skurrile Variante der „Bestattung“ Erfolg versprechend gegenüber zu stehen. Ob dies die Öffentlichkeit auch so sehen wird bleibt allerdings noch abzuwarten.
 
Das Ganze makabre Verfahren soll so ablaufen: Der Leichnam wird in den Edelstahl-Hydrolyse-Tank gelegt und Wasser und Laugensalz werden hinzugefügt. Dann wird der Tank luftdicht verschlossen. Ganze drei Stunden dauert es bis der Zersetzungsprozess abgeschlossen ist. Was übrig bleibt ist eine braune, etwas zähflüssige, stark nach Ammoniak riechende Masse und allenfalls noch ein paar kleinere Knochenreste.
 
In den US-Bundesstaaten New Hampshire und Minnesota sind die Tanks bereits offiziell erlaubt. Und erste Meldungen besagen, dass diese Methode in den nächsten Monaten auch in holländischen Beerdigungsinstituten angeboten werden soll.
 
Mit Pietät, Menschenwürde und einer würdevollen Bestattung hat dies nichts mehr zu tun. Es ist eine reine Entsorgung menschlicher Körper, die kaum noch „Bestattung“ genannt werden kann. So kamen bisher auch die stärksten Kritiken an dieser „unwürdigen“ Entsorgung menschlicher Leichen von Seiten der katholischen Kirche.
 
Schweden: Schockgefrieren und pulverisieren
 
Ähnlich skurril wie die Amerikaner machen es inzwischen die Schweden. Dort hat die Biologin Susanne Wiigh-Mäsak die „Promession“ entwickelt. Diesen Begriff kann man am einfachsten mit „schockgefrieren und zerpulvern“ erklären. Was in Schweden bereits als „Innovation auf dem Gebiet der Bestattung“ gilt, kommt im Grunde einer Art Kompostierung gleich.
 
Ausgeführt wird diese Methode von der Firma Promessa Organic. Dabei wird auf eine Einbalsamierung des Körpers verzichtet, damit dieser „biologisch rein“ bleibt. Zuerst wird der Leichnam auf minus 18 Grad Celsius abgekühlt und dann in 196 Grad kalten, flüssigen Stickstoff getaucht. Dadurch wird der Körper schockgefroren. Nun ist er extrem brüchig. In einer Vibrationskammer zerfällt er dann zu einem groben und geruchsfreien Pulver. Dieses kommt dann in eine Vakuumkammer, in der ihm die Flüssigkeit entzogen wird. Anschließend werden noch die nichtmenschlichen Bestandteile bzw. Fremdstoffe (künstliche Gelenke, Herzschrittmacher, Zahnfüllungen, Titanschrauben usw.) herausgefiltert. Übrig bleibt etwa 1/3 des ursprünglichen Gewichts in Form eines graurosa Pulvergranulats. Das wiederum muss nur noch in einer Bodentiefe von maximal 40 Zentimetern beigesetzt werden. In spätestens einem Jahr ist es dann vollständig zu Humus abgebaut. Theoretisch könnte es, wie es heißt, auch als Dünger eingesetzt werden. Entsprechend wird diese Methode dann auch als Öko-Bestattung bezeichnet.
 

 
Die Wahl des Bestatters in Heimen und anderen Einrichtungen 
von © Axel Ertelt
 
Die Wahl, welcher Bestatter die Beerdigung durchführen soll, ist (falls kein Bestattungsvorsorge-Vertrag abgeschlossen wurde) immer Sache des bzw. der bestattungspflichtigen Angehörigen. Die eventuell zu Lebzeiten geäußerten Wünsche der/des Verstorbenen sollten dabei respektiert werden.
 
Dies trifft auch dann zu, wenn die/der Verstorbene in einem Heim, Krankenhaus oder sonstigen Einrichtung war. Diese Institutionen dürfen die Wahl des Bestatters nicht bestimmen. Auch dann nicht, wenn die Einrichtung, in der der Sterbefall stattgefunden hat, nicht am Ort des Bestatters ist, der mit der Bestattung beauftragt werden soll.
 
„Die Wahl des Bestatters darf das Heim nicht vorschreiben. Die Einrichtung darf nur das im Augenblick Notwendige veranlassen, nämlich die Überführung in eine Leichenhalle.“ (1)
 
Nur wenn das Heim nicht über eine eigene Leichenhalle verfügt und der beauftragte Bestatter die Abholung nicht in angemessener Frist durchführen kann (z. B. wenn das Heim Hunderte von Kilometern entfernt ist), ist die Heimleitung berechtigt einen Bestatter mit der Abholung und Überführung zur nächsten Leichenhalle zu beauftragen. Dieses Recht bezieht sich ausschließlich auf die Abholung und Überführung zur nächsten Leichenhalle.
 
„Hinsichtlich der weiteren Dienste eines Bestatters muss eine Entscheidung der Hinterbliebenen abgewartet werden. Setzt sich die Heimleitung darüber hinweg, muss sie den durch den Mehraufwand entstandenen Schaden ersetzen.“ (1)
 
Alles, was darüber hinaus vom Heim veranlasst würde, geht folglich zu dessen Lasten. Der so vom Heim beauftragte Bestatter hat dann lediglich die Abholung und Überführung in einem Transportsarg (auch als Notsarg oder Unfallsarg bezeichnet) zur nächsten Leichenhalle vorzunehmen. Jedwede, darüber hinausgehende Leistung (z. B. Sterbehemd, Deckengarnitur oder gar ein regulärer Sarg) ist unzulässig und ginge zu eigenen Lasten des Bestatters, der dies ohne Auftrag ausgeführt hat. Ein seriöses Bestattungsunternehmen wird dies auch erst gar nicht versuchen. Ebenso unzulässig wäre es, wenn sich ein solcher Bestatter bei den Angehörigen meldet um durch irgendeine (meist fadenscheinige) Argumentation zu versuchen den Bestattungsauftrag selbst zu bekommen.
 
Um jedwede Unstimmigkeiten und Missverständnisse zu vermeiden ist es empfehlenswert, schon beim ersten Einschecken im Heim (oder sonstigen Einrichtung) den Bestatter Ihrer Wahl und Ihres Vertrauens festzulegen. Daran ist die Heim- oder Einrichtungsleitung zwingend gebunden. Auch könnte hier ein Bestattungsvorsorge-Vertrag sinnvoll sein.
 
(1) Zitiert aus Aeternitas Verbraucherinitiative Bestattungskultur: „Bestatterwahl in Einrichtungen“
 

 
Eine evangelische Kirche
soll zu einem Kolumbarium umfunktioniert werden
Von © Axel Ertelt 
 
Die ev. Kirchengemeinde Hückeswagen will aus einer ihrer Kirchen jetzt einen Friedhof machen. Viele Kirchengemeinden haben immer weniger Zulauf. Die Folge: Kirchengemeinden und Pfarrbezirke werden zusammengelegt. In der Folge werden viele Kirchen nicht mehr benötigt und geschlossen. Seit ein paar Jahren gibt es eine neue Verwendung für sie. Sie werden umfunktioniert zu Kolumbarien. Nicht alle, aber immer mehr…
 
Angefangen hat dieser Trend ausgerechnet in katholischen Kirchen – wo die Katholiken doch die letzten waren, die die Feuerbestattung offiziell akzeptierten. So wurde bereits im Jahr 2007 die Erfurter Allerheiligenkirche zum Kolumbarium umgewandelt und am 7. September 2007 im Rahmen einer Messe eingeweiht und anschließend eröffnet. Weitere gibt es in katholischen Kirchen in Aachen und Marl sowie in evangelischen Kirchen Soest und Hannover – um nur einige der bekanntesten Standorte zu nennen.
 
Jetzt will auch die evangelische Kirchengemeinde Hückeswagen (Oberbergischer Kreis) eine ihrer beiden Kirchen, die Johanniskirche, in ein Kolumbarium umwandeln. Die 1836/37 erbaute Kirche steht heute unter Denkmalschutz. Mit dieser Maßnahme hofft man zu erreichen, dass die Kirche der Gemeinde und der Stadt auch bei immer schwieriger werdender Finanzsituation erhalten werden kann.
 
Geplant ist, dass das Kolumbarium bis zum 31.12.2011 fertig gestellt wird. Voraussetzung, dass es dazu überhaupt kommt, ist eine Voranmeldung interessierter Bürger, von denen bis Ende März 2010 mindestens 100 Personen bereit sein müssen sich für die Kirche als letzte Ruhestätte zu entscheiden und eine Urnenische im Kolumbarium im Voraus erwerben. Dies bedeutet natürlich auch die Bezahlung derselben, denn damit wird der Umbau auch mitfinanziert. Die Ruhezeit soll 20 Jahre betragen und beginnt mit dem Tag, an dem die Urne ins Kolumbarium gestellt wird.
 
So ein Kolumbariumsplatz hat immerhin den Vorteil, dass gegenüber einer herkömmlichen Grabstelle keine Folgekosten in Form einer teuren Grabpflege anfallen. Doch könnte der recht hohe Preis von 1.800 Euro zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise doch ein wenig abschrecken. Jedenfalls werden derzeit Flyer verteilt, die darüber informieren und Kunden werben sollen, die sich mittels einer Absichtserklärung im Flyer auch gleich verbindlich anmelden können. Weitere Details erfahren Sie auf der Internetpräsenz zum geplanten Kolumbarium.
 
Erstveröffentlichung am 11.12.2009 auf der OnlineZeitung24
Zweitveröffentlichung am 25.03.2010 bei Bestattungen Ertelt oHG.
 

 
 Krematorien unter Verdacht illegaler Geschäfte mit Zahngold
Von © Axel Ertelt 
 
Vor einigen Wochen geriet das 1965 im Herzen des Parkfriedhofs Öjendorf eröffnete Hamburger Krematorium in die Negativ-Schlagzeilen der Presse. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelte gegen mehrere Mitarbeiter des Krematoriums, deren Arbeitsplätze und Wohnungen durchsucht wurden. Der Vorwurf: Illegale Geschäfte mit Edelmetallen, die den Verstorbenen entwendet wurden. Die Rede ist hier sowohl von Schmuck als auch vom Zahngold der Verstorbenen.
 
Dies warf wieder einmal mehr ein Negativ-Bild auf eine ganze Branche, die aufgrund ihres sensiblen Themas schon immer – anhand von möglichen Einzelfällen – im Gesamten von Sensationsreportern und -autoren pauschal in den Schmutz gezogen wird. Das war wieder einmal mehr Wasser auf die Mühlen schlecht recherchierender Schreiberlinge.
 
Im aktuellen Fall stellte die Krematoriumsleitung Anfang des Jahres fest, dass der Anteil von Edelmetallen in der Asche der Verstorbenen immer stärker zurückging. Ermittlungen dazu wurden eingeleitet. Dabei stellte sich nach diversen Medienberichten heraus, dass offensichtlich mehrere Mitarbeiter Schmuck und Zahngold in nicht unerheblicher Menge von den Verstorbenen entwendet hatten. Nun steht der Vorwurf des „bandenmäßigen Diebstahls“ im Raum.
 
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dies bereits seit Jahren geschah. Von der Hamburger Morgenpost wurde ein Informant zitiert, dass „Brücken und Zahnprothesen aus dem Gebiss heraus gebrochen“ und „Ringe mit Seitenschneidern vom Finger getrennt“ wurden. So wurden die „Leichen rücksichtslos geplündert“. Das Edelmetall wurde dann weiterverkauft. Ein lukratives Nebengeschäft für die diebischen Krematoriumsmitarbeiter. Die Folge, in den Medien war bereits zu lesen, dass diese Praktik bei rund 400.000 Feuerbestattungen pro Jahr jährliche Millionenumsätze erzielte. Und so beschlagnahmte die Polizei bei der Razzia in Hamburg mehr als 140.000 Euro wie die Bestatterzeitung.de berichtete.
 
Neun Mitarbeiter des Krematoriums wurden wegen des Diebstahlverdachts inzwischen „einstweilig suspendiert“. Sie haben, wenn sich dieser Verdacht bestätigt, nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, sondern auch gegen die innerbetriebliche Anweisung zum Umgang mit gefundenen Metallrückständen. Darin heißt es, dass nur „oberflächlich sichtbares Metall“ der Asche entnommen und „sicher verwahrt“ werden soll. „Der Erlös wird von der Hamburger Krematorium GmbH der Deutschen Kinderkrebshilfe gespendet.“
 
Eine Praxis, die so ja akzeptabel erscheint und nach Auffassung der Hamburger Krematorium GmbH allgemein bei den Krematorien üblich sei. Doch dies ist zu bezweifeln. Zuvor waren schon die Krematorien in Hof und Nürnberg unter gleichem Verdacht. Informanten aus der Krematoriumsbranche, die sich zumeist nur anonym an die Presse wendeten, berichteten auch, dass von solchen illegalen Erlösen der Chef einmal im Jahr in den Wintersporturlaub nach Davos fährt.
 
Wie heikel das Thema ist beweist augenscheinlich auch eine Blitzumfrage von der Bestatterzeitung.de, die nach eigenen Angaben 80 Krematorien zum Umgang mit den Edelmetallen befragte. Selbst bei nochmaliger Nachfrage, so die Onlinezeitung, haben nur ganze sechs Krematorien geantwortet. Dazu die Zeitung: „Drei belassen die Edelmetalle in der Urne, ein Krematorium spendet die Erlöse aus der Edelmetallverwertung zu 100 % sozialen und karitativen Zwecken.“
 
Die jüngsten Medienberichte haben wieder einmal mehr den Verbraucher verunsichert. Der Ruf nach einer einheitlichen Regelung wird laut. Und mehr Transparenz in dieser Sache fordert auch Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Sie schlägt vor, dass jeder (gegebenenfalls auch die Angehörigen) selbst bestimmen soll, was mit den Edelmetallrückständen bei der Kremierung geschehen soll. Drei Varianten stünden dabei zur Auswahl:
 
  • Nach  dem   Verbrennungsvorgang  vorgefundene  und  von  der   Asche  getrennte Edelmetalle sind der Asche beizufügen und mit beizusetzen.
  • Nach dem Verbrennungsvorgang vorgefundene und von der Asche getrennte Edelmetalle sollen den Hinterbliebenen ausgehändigt werden.
  • Nach dem Verbrennungsvorgang vorgefundene und von der Asche getrennte Edelmetalle können vom Krematorium selbständig verwertet werden.
 
Ein entsprechendes Formular kann bei Aeternitas als PDF-Datei aufgerufen und herunter geladen oder ausgedruckt werden.
Eingestellt am: 14.10.2010. 
Erstveröffentlichung am 03.10.2010 auf der OnlineZeitung24.
 

 
Nichts ist unmöglich
Oder: Worin möchten Sie bestattet werden?
 Von © Axel Ertelt
 
Andere Länder – andere Sitten. So heißt es immer so schön. Das trifft auch auf die Bestattungskultur zu. In Ghana beispielsweise gibt es ganz ausgefallene Särge – sowohl was die Form als auch den Geschmack betrifft. Dort gibt es praktisch nichts, was nicht als Sarg nachgebildet wird. Seien es Tiere, Gemüse oder gar Transportmittel wie der Bus oder das Flugzeug.
 
Doch dieser Trend geht inzwischen um die ganze Welt. In Amerika ließ sich jemand seinen ganz persönlichen Sarg in Form und Design einer Coladose anfertigen und in England einer in Form eines Containers. Auch Deutschland hat dieser Trend inzwischen erreicht. Hier kommen besonders auch die Fußball-Fans auf ihre Kosten. Für die Erdbestattung gibt es Särge in den Vereinsfarben wie beispielsweise der BVB-Sarg oder der Schalke04-Sarg. Aber auch bei einer Feuerbestattung können die Fans ihrem Verein nahe sein, in der Schalke04-Urne oder in der BVB-Urne. Auf Wunsch natürlich auch für andere Vereine in den entsprechenden Vereinsfarben machbar. Nichts ist unmöglich.
 
Jedem das seine. Der Musiker kann sich im Gitarrenkoffer beerdigen lassen oder der Formel-I-Fan im Rennwagen. Nein, das ist kein Witz. Natürlich ist es kein echter Formel-I-Flitzer, sondern ein richtiger Sarg, der nur in Form und Design seinem großen Vorbild nachempfunden ist. Natürlich entspricht er allen Kriterien, die so ein Sarg mit sich bringen muss um auf einem Friedhof bestattet zu werden.
 
 
Der Formel-I-Rennwagen im Bestattungsinstitut. Ausgefallener geht’s nimmer…
Die Fotos stellte freundlicherweise Frau Angela StegerwaldWelt-Bestattung) zur Verfügung.
 
Der Formel-I-Sarg wurde als Edertal-Racer, einem Individual-Sarg, vom Edertal-Holzwerk, ursprünglich als Werbeträger gedacht, kreiert. Doch aus dem Werbeträger könnte nun ein Verkaufsschlager werden. Am 4. Dezember 2010 eröffnete Angela Stegerwald in Würzburg ihr Bestattungsunternehmen Welt-Bestattung. Neben Designersärgen und den Särgen und Urnen für die Fußballfans steht auch der Formel-I-Sarg im Programm. Ein Hingucker, der zweifellos Stoff für Diskussionen bietet.
 
Auch der Tod ist nicht mehr das, was er mal war.
 
So der Titel eines Pressetextes der Welt-Bestattung. Das Unternehmen lässt damit die alten Traditionen hinter sich und setzt voll auf die Moderne. Hier vertritt man die Auffassung, dass zu wenig über den Tod diskutiert wird. Die Menschen sind bekannt dafür, unschöne Dinge, zu denen der Tod zweifellos gehört, zu verdrängen. Darum ist es wichtig darüber zu reden, ehe es zu spät ist. Mit einem Sortiment aus den verschiedensten Särgen und Urnen möchte man erreichen, dass sich Menschen trauen, auch Ihre letzte Ruhe so individuell zu gestalten, wie sie es selbst zu Lebzeiten waren.
 
In Zusammenarbeit mit der Stahl-Sargfabrikation und dem Edertal-Holzwerk kann Angela Stegerwald mit der Welt-Bestattung ein breites Sortiment aus Standard-, Designer- und Motiv-Särgen bieten. Fast jeder Wunsch ist machbar und kann umgesetzt werden. Der neueste Auftrag sind Särge in Form einer Sekt- und einer Wein-Flasche wie sie mir in einer Email vom 28.12.2010 mitteilte. Ein passendes Motiv für die Franken-Region.
 
Auch Särge mit integrierten Gemälden sowie Fotos werden bei Welt-Bestattung angeboten. Eigene Designs und Gemaltes sind willkommen. Es ist also möglich das Sargoberteil oder die Seiten eines Sarges selbst zu gestalten. Die Motive dabei sind unendlich. Umgesetzt wird dies durch die Firma Stahl Holzbearbeitung, wobei eine hochwertige Leinwand, die auf dem Sargoberteil, der Frontseite oder an den Seiten des Sarges angebracht wird. Innerhalb von 48 Stunden nach Erhalt einer entsprechenden Bilddatei kann diese beim Bestatter sein.
 
Und worin möchten Sie einmal bestattet werden? – Prinzipiell kann jeder Bestatter solche ausgefallenen Wünsche erfüllen. Sprechen Sie bei Interesse den Bestatter Ihres Vertrauens an. Dieser kann sich dann entsprechend Ihren Wünschen mit den Herstellerfirmen (Stahl Holzbearbeitung oder dem Edertal-Holzwerk) in Verbindung setzen und Ihnen gegebenenfalls ein individuelles und kostenloses Angebot unterbreiten.
 
Quellenhinweise:
„Eine fantastische Himmelsreise - Särge aus Ghana“, www.saerge-aus-ghana.de
„Auch der Tod ist nicht mehr das, was er mal war“, Pressetext, Angela Stegerwald, www.welt-bestattung.de
„Individual Särge“, www.edertal-holzwerk.de
Hinweis:  Das  Edertal  Holzwerk  hat  zum  Jahresende  2011  geschlossen  (s.:  Edertal Holzwerk schließt zum Jahresende). Die ehemalige Website der Firma existert nicht mehr.
 

 
Immer wieder Ärger
mit der Leichenschau und der Todesbescheinigung
Von © Axel Ertelt
 
Wie korrekt sind die Ärzte? – Gibt es Abrechnungsbetrug bei der Leichenschau?
 
Es ist ein nicht alltägliches Thema und vielfach sogar ein regelrechtes Tabu: Die ärztliche Leichenschau und die anschließende Rechnung des Arztes. Und dennoch hat es dazu inzwischen bereits zahlreiche Prozesse gegeben, bei denen gegen die Ärzte entschieden wurde. Inzwischen mehren sich auch die Stimmen, die den Ärzten in dieser Sache Abrechnungsbetrug vorwerfen. Sind Leichenschauen und die darüber ausgestellten Rechnungen korrekt oder nicht? Das ist hier die Frage…
 
Wann muss der Arzt die Leichenschau vornehmen?
 
Wie (fast) alles ist auch die Bestattung in Deutschland per Gesetz geregelt. Erschwert wird dies jedoch durch die Tatsache, dass das Bestattungsgesetz kein Bundesgesetz darstellt, sondern von jedem Bundesland als Ländergesetz geregelt wird. Dadurch gibt es von Bundesland zu Bundesland Abweichungen untereinander, die in der Regel jedoch nur geringfügige Unterschiede bedeuten. Dieser Abhandlung soll als Beispiel das aktuelle Bestattungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen („Gesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen (Bestattungsgesetz - BestG NRW)“) sowie die zur Abrechnung der Leichenschau vorhandenen Informationen der Ärztekammer Nordrhein, basierend auf der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte), zu Grunde liegen.
 
In § 9 des BestG NRW sind die Leichenschau, die Todesbescheinigung und die Unterrichtung der Behörden geregelt. In Absatz 3 heißt es: „Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, unverzüglich nach Erhalt der Todesanzeige die unbekleidete Leiche oder die Totgeburt persönlich zu besichtigen und sorgfältig zu untersuchen (Leichenschau) sowie die Todesbescheinigung auszustellen und auszuhändigen.“
 
Das heißt im Klartext, sobald der Arzt von einem Todesfall informiert wurde, hat er „unverzüglich“, also sofort bzw. ohne schuldhaftes Verzögern(!), die Leichenschau vorzunehmen und im Anschluss daran ebenso „unverzüglich“, also wiederum sofort, die Todesbescheinigung auszustellen und auszuhändigen (also bei der Leiche zu belassen!). In den allermeisten Fällen sieht die Praxis jedoch anders aus. Da kommen die Ärzte erst etliche Stunden später oder gar erst am Folgetag. Alles schon zur Genüge vorgekommen. Dies ist ein eindeutiger Gesetzesverstoß.
 
Leichenschauen sind vielfach unzureichend bis gesetzwidrig
 
Wie bereits oben erwähnt und per Gesetz geregelt ist die Leichenschau an der unbekleideten Leiche vorzunehmen. Die Begründung dieser Bestimmung ist darin zu sehen, dass nur so äußerliche Merkmale erkannt oder ausgeschlossen werden können, die auf einen eventuellen nicht natürlichen Tod (Unfall, Suizid, Tötungsdelikt) hinweisen könnten. In Anbetracht der Tatsache, dass Rechtsmediziner immer wieder darauf hinweisen, dass die Hälfte oder mehr aller nicht natürlicher Todesfälle gar nicht als solche erkannt würden, ist diese Form der Leichenschau nicht nur sinnvoll sondern geradezu erforderlich, um beispielsweise Tötungsdelikte strafrechtlich verfolgen und aufklären zu können.
 
Nun sieht auch in dieser Beziehung die Realität vielfach anders aus und viele Ärzte scheuen davor, gerade bei Haussterbefällen den Leichnam zu entkleiden. Sie verstoßen damit gegen geltendes Recht und Gesetz und könnten im schlimmsten Fall einen Mord vertuschen helfen.
 
Dass dies keine unbegründete Floskel ist, beweisen folgende, real passierte Fälle einer Leichenschau. Im ersten Fall war der Tod in Form eines Suizids durch Strangulation eingetreten. Der für die Leichenschau herbeigerufene Arzt wurde über diesen Umstand von den Angehörigen aus Scham nicht informiert. Beim Eintreffen des Arztes war der Leichnam bereits von den Angehörigen abgehängt worden und lag nun vollständig bekleidet – einschließlich eines Mantels, dessen Kragen hochgeschlagen war – auf dem Fußboden.
 
Genau in diesem Zustand fanden die Mitarbeiter des Bestattungsinstitutes dann den Leichnam vor. Die Strangulationsmerkmale am Hals waren stark ausgeprägt und eigentlich unübersehbar. Die vom Arzt ausgestellte und vor Ort gelassene Todesbescheinigung bescheinigte einen natürlichen Tod.
 
Im zweiten Fall bestand die gesamte Leichenschau des Arztes darin, dass dieser einen flüchtigen Blick durch die halb geöffnete Schlafzimmertür in den stockdunklen Raum tat. Die im Bett bis zum Hals zugedeckte Verstorbene konnte er wohl nur, wenn überhaupt, schemenhaft erahnt haben. Ein Tötungsdelikt hätte mit absoluter Sicherheit genauso wenig erkannt werden können wie die Feststellung, ob die betreffende Person überhaupt tot ist oder noch lebt.
 
Die Ausstellung der Todesbescheinigung
 
 
Die aktuelle Todesbescheinigung von NRW. Links der grüne, öffentliche Teil, der wichtig für den Bestatter und die Beurkundung am Standesamt ist, rechts der rote, vertrauliche Teil im versiegelten Umschlag. (Foto: © Axel Ertelt)
 
Wie bereits erwähnt schreibt das Bestattungsgesetz zwingend vor, dass der Arzt die Todesbescheinigung im Anschluss an die Leichenschau auszustellen und auszuhändigen hat. Die Mehrzahl aller niedergelassenen Ärzte macht dies bei Sterbefällen im Haus oder Heim nicht und handelt auch hier gesetzwidrig.
 
Als Entschuldigung werden die absurdesten Ausreden vorgebracht – bis hin zu „…das habe ich nicht gewusst.“ Dabei liegt jedem Todesbescheinigungsexemplar eine „Anleitung zum Ausfüllen der Todesbescheinigung NRW“ bei, in der es im Abschnitt 2 („Erläuterungen im Einzelnen für die Ärztin/den Arzt“) unter Ziffer 1 unmissverständlich heißt:
 
„Jede Ärztin und jeder Arzt ist verpflichtet, die Leichenschau vorzunehmen und die Todesbescheinigung auszustellen. Sie/er hat die Leichenschau unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern) nach Erhalt der Anzeige des Todesfalles vorzunehmen und die Todesbescheinigung dem Veranlasser der Leichenschau unmittelbar danach auszuhändigen. Die Ausstellung der Todesbescheinigung ist keine bloße Formalität; die Ärztin/der Arzt ist bei der Leichenschau keineswegs von der Sorgfaltspflicht entbunden. Die amtliche Todesbescheinigung darf nur erteilt werden …, wenn sichere Zeichen des Todes vorhanden sind und nachdem eine sorgfältige Leichenschau an der unbekleideten Leiche oder Totgeburt unter Einbeziehung der gesamten Körperoberfläche einschließlich des Rückens, der behaarten Kopfhaut und aller Körperöffnungen durchgeführt wurde; eine Teilbesichtigung der Leiche genügt nicht.“
 
Diese Passage sagt im Grunde nichts anderes aus als auch § 9 des BestG NRW. Sollte es da wirklich noch einen Arzt geben, der mit den Rechtsvorschriften nicht vertraut ist? Das wäre kaum vorstellbar. Und dennoch stellen die meisten Ärzte die Todesbescheinigung erst in der Praxis aus. Manchmal sogar erst am Folgetag oder später. Dass sie dadurch den Ablauf der Bestattung blockieren ist noch das kleinste Übel, denn ohne Todesbescheinigung keine reguläre Sterbeurkunde und ohne Sterbeurkunde keine Bestattung.
 
Zudem zwingen die Ärzte mit dieser rechtswidrigen Handlung in Folge auch die Bestatter zu Handlungen, die gegen das Gesetz verstoßen, da ein Leichnam beispielsweise laut Buchstaben des Gesetzes ohne Mitführung der Todesbescheinigung oder Sterbeurkunde gar nicht überführt werden darf.
 
Ärzte verursachen durch Fehlverhalten nicht unerhebliche Kosten
 
Auch die unkorrekte Praktik, die Todesbescheinigung in der Arztpraxis durch den Bestatter abholen zu lassen verursacht Kosten, die nicht nur unnötig sondern einzig und allein durch den betreffenden Arzt verursacht werden. Diese Kosten setzen sich aus Anfahrt und Zeitaufwand des Bestatters zusammen, der die Todesbescheinigung abholt. Eine Berechnung dieser Kosten an die Hinterbliebenen ist nicht gerechtfertigt, da durch diese nicht verursacht. Zudem wären diese Kosten gar nicht entstanden, wenn der Arzt die Todesbescheinigung, wie gesetzlich vorgeschrieben, bei der Leiche hinterlegt hätte.
 
In den letzten Jahren haben viele Bestatter, vor allem in den größeren Städten, diese Kosten beim betreffenden Arzt geltend gemacht. In den meisten Fällen wurden diese nicht vom Arzt bezahlt, so dass es zum Prozess kam. Die Gerichte urteilten dann in der Regel zu Gunsten des Bestatters, was letzten Endes bedeutet, dass der Arzt die Bestatterrechnung für die Abholung der Todesbescheinigung bezahlen muss und zudem auch auf den Prozesskosten sitzen bleibt.
 
Unkorrekte und überhöhte Rechnungen für Todesbescheinigungen
 
Die Bestatter beklagen zunehmend Beanstandungen der Angehörigen für die Arztrechnungen über die Leichenschau. Im Zeitalter von Computer und Internet kann jedermann problemlos an die Informationen gelangen, die von offizieller Seite publiziert wurden und darstellen, was korrekt ist und was nicht. Nur wenige Ärzte machen eine korrekte Leichenschau und rechnen dann auch noch korrekt ab. Da ist der Ärger vorprogrammiert…
 
Ärztliches Fehlverhalten kann die Gesundheit anderer gefährden
 
Hinzu kommt noch ein weiteres, nicht geringes Problem. Im öffentlichen Teil der Todesbescheinigung muss der Arzt bescheinigen, ob der Verstorbene an einer nach dem Bundesseuchengesetz meldepflichtigen und/oder ansteckenden Krankheit gelitten hat – und wenn ja, ob bei der Einsargung und weiteren Behandlung besondere Vorschriften und Maßnahmen zu beachten sind.
 
 
Der für den Bestatter wichtige Teil der Todesbescheinigung. Er zeigt die Todesart (oben) und die Warnhinweise bei Ansteckungsgefahr (unten). (Foto: © Axel Ertelt)
 
Ohne Todesbescheinigung ist dies nicht ersichtlich und im Fall, dass der Verstorbene an so einer Krankheit gelitten hat, setzt sich der Bestatter bzw. seine Mitarbeiter und alle anderen Personen, die direkten Umgang mit dem Verstorbenen haben, einer direkten, nicht unerheblichen Gefahr der Gefährdung der eigenen Gesundheit aus, wenn die Todesbescheinigung nicht vorliegt. Im Ansteckungsfall ginge dies zweifellos zu Lasten des Arztes, der entgegen bestehender, gesetzlich geregelter Vorschriften und Bestimmungen die Todesbescheinigung nicht vor Ort belassen hat.
 
In einem solchen Fall würde unweigerlich neben einem Strafprozess (Körperverletzung) auch ein Zivilprozess (Schadenersatz und Schmerzensgeld in sicher nicht unerheblicher Höhe) auf den betreffenden Arzt zukommen. Ob so etwas über eine Versicherung des Arztes abgedeckt ist, bleibt doch eher fraglich, da die Ursache auf Missachtung bestehender Gesetze beruht.
 
Wer muss die Rechnung des Arztes für die Leichenschau bezahlen?
 
Die Kosten für die ärztliche Leichenschau werden nicht mehr von der Krankenversicherung getragen, da diese ja für die Lebenden zuständig sind. Dabei spielt es in der Regel auch keine Rolle ob der Verstorbene privat oder gesetzlich krankenversichert war.
 
Zahlungspflichtig dafür sind generell die bestattungspflichtigen Erben bzw. Hinterbliebenen. Sollten solche nicht vorhanden sein, ist die für den Sterbeort zuständige Ordnungsbehörde (Ordnungsamt) zuständig.
 
Das Bestattungsunternehmen, welches die Bestattung durchführt, ist weder Rechnungsempfänger noch zahlungspflichtig. In der Regel jedoch wird diese Kostennote über das Bestattungsinstitut in Form eines Auslagebetrages übernommen.
 
Manche Ärzte wollen die Todesbescheinigungen dem Bestatter erst gegen Zahlung der Rechnung aushändigen. Dies ist gesetzwidrig und der Bestatter könnte bei verweigerter Aushändigung der Todesbescheinigung in Rücksprache mit den Angehörigen eine zweite Leichenschau veranlassen. In diesem Fall würde der Arzt, der die erste Leichenschau vorgenommen hat, keinen Anspruch auf Vergütung mehr haben, da gesetzwidrig die Todesbescheinigung weder beim Verstorbenen gelassen, noch später dem Bestatter ausgehändigt wurde. In diesem Zusammenhang sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Bestatter ohne Todesbescheinigung per Gesetz gar nicht tätig werden dürften.
 
Ende Juli 2011 wies aktuell auch der  Bestatterverband Nordrhein-Westfalen  in einem Newsletter an die Bestatter wieder darauf hin: „Der Arzt verstößt gegen die Vorschriften der Gebührenordnung für Ärzte, wenn dieser sofortige Bezahlung vor Rechnungsstellung, Zug um Zug gegen Aushändigung des Totenscheins fordert.“ Dem Newsletter zu Grunde lag ein Urteil der 21. Kammer des VG Gießen vom 15.02.2010 (Az.: 21 K 1466/09.Gl.B). 
 
Da inzwischen immer mehr Rechnungen für die Leichenschau von den Angehörigen beanstandet werden und in Konsequenz dazu die Bezahlung (zumindest in voller Forderungshöhe des Arztes) verweigert wird, sehen sich bereits jetzt immer mehr Bestatter veranlasst diese Rechnungen nicht mehr (wie bislang vielfach üblich) im Voraus für die Angehörigen auszulegen sondern erst dann zu bezahlen, wenn sie dafür das Geld von den Angehörigen bekommen haben. Anderenfalls könnten die Bestatter sonst auf ausgelegten Kosten sitzen bleiben.
 
Abrechnungsbetrug bei der Leichenschau?
 
Eine korrekte Rechnung über die Leichenschau bedingt auch, dass diese steuerrechtlich korrekt ist. Dazu gehört nicht nur Name und Anschrift des Zahlungsempfängers, sondern vor allem auch eine Rechnungsnummer, das Rechnungsdatum und das Leistungsdatum (auch dann, wenn beide Datumsangaben identisch sind). Eine Rechnung, die auf das Bestattungsinstitut ausgestellt wurde, ist nicht korrekt und kann nicht angenommen werden, da, wie bereits erwähnt, nicht das Beerdigungsinstitut Rechnungsempfänger und Zahlungspflichtiger ist.
 
Die Abrechnung hat nach der gültigen GOÄ zu erfolgen, wobei die einzelnen Positionen genau und detailliert aufgeführt sein müssen. In der Regel enthält diese Rechnung bis zu maximal drei Positionen. Mögliche Ausnahmen davon werden im Anschluss noch erläutert.
 
Etliche Ärzte stellen jedoch nur Pauschalrechnungen aus, die irgendeinen Pauschalbetrag enthalten, der dem Arzt als angemessen für seine Leistung erscheint. Dies mag zwar aus Sicht der Ärzte gerechtfertigt sein (dazu mehr zum Schluss dieser Abhandlung), ist jedoch weder korrekt noch zulässig. Somit wäre eine Pauschalrechnung generell zu beanstanden.
 
Auch stellen viele Ärzte Gebührenpositionen in Rechnung, die gar nicht zulässig sind. Da sich aus diesen genannten Gründen immer mehr Stimmen erheben, die hier von Abrechnungsbetrug sprechen, soll hier einmal klipp und klar dargestellt werden, welche Gebühren in welcher Höhe zulässig sind:
 
Anrechenbare Gebühren für die Leichenschau
 
Pos. 1, Wegegeld gemäß § 8 der GOÄ: Für die Anfahrt des Arztes zum Sterbeort kann ein Wegegeld berechnet werden. Die Höhe des berechneten Betrages richtet sich nach den Sätzen der GOÄ und ergeben sich aus der Entfernung von der Praxis oder dem Wohnsitz des Arztes bis zum Einsatzort. Zusätzlich wird zwischen einem Tagtarif (zwischen 8.00 Uhr und 20.00 Uhr) und einem Nachttarif (zwischen 20.00 Uhr und 8.00 Uhr) unterschieden.
 
Die anrechenbaren Beträge betragen bei einer Entfernung bis zu 2 Km 3,58 Euro (Tagtarif) bzw. 7,16 Euro (Nachttarif), bei einer Entfernung von 2 bis 5 km 6,65 Euro (Tagtarif) bzw. 10,23 Euro (Nachttarif), bei einer Entfernung von 5 bis 10 km 10,23 Euro (Tagtarif) bzw. 15,34 Euro (Nachttarif) und bei einer Entfernung von 10 bis 25 km 15,34 Euro (Tagtarif) bzw. 25,56 Euro (Nachttarif).
 
In Fällen, bei denen am Sterbeort mehrere Leichenschauen durchgeführt werden (z. B. in einem Heim oder bei Unfällen mit mehreren Toten), darf die Anfahrt nur einmal berechnet werden und muss auf die entsprechende Anzahl der Leichenschauen gleichmäßig aufgeteilt werden.
 
Pos. 2, Ziffer 100 gemäß GOÄ, Leichenschau: Für die einfache Leichenschau sieht die GOÄ einen Betrag von 14,57 Euro vor. Dieser kann, bei besonderen Erschwernissen bei der Leichenschau, mit einem erhöhten Satz bis zum 3,5fachen (= maximal 51,00 Euro) berechnet werden. Wird jedoch mehr als der einfache Satz berechnet, so muss der Arzt dies in seiner Rechnung begründen.
 
Gründe für die erhöhte Abrechnung der Ziffer 100 nach der GOÄ wären beispielsweise: Schwer zugängliche Örtlichkeit, schlechte hygienische Zustande des Sterbeortes, stark verschmutzte oder infektiöser Leichnam, fortgeschrittener Verwesungsprozess, schwergewichtiger Leichnam o. ä.
 
Pos. 3, § 10, Absatz 1, Satz 1 gemäß GOÄ, Auslagen: Die einzige Auslageposition, die der Arzt zusätzlich berechnen kann und darf wären die Formularkosten für die Todesbescheinigung. Dies wäre der Betrag, den der Arzt selbst für ein Exemplar der Todesbescheinigung bezahlt hat. Diese Position darf jedoch nur dann berechnet werden, wenn dem Arzt dieses Formular nicht selbst unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Bei der Berechnung dieser Position sollte der Arzt in der Lage sein, seinen Formulareinkauf anhand von Einkaufsbelegen beweisen zu können.
 
Hausbesuche und Zuschläge sind nur in Ausnahmefällen anrechenbar
 
In den meisten Rechnungen ist als zusätzliche Position die Ziffer 50 (Hausbesuch) gemäß GOÄ enthalten. Der einfache Satz beträgt 18,65 Euro und kann bis zum 2,3fachen (= 42,90 Euro) berechnet werden.
 
Auch wenn die Ärzte dies gerne generell (durchaus aus nachvollziehbaren Gründen) haben möchten – diese Position ist nur anrechenbar, wenn der Arzt davon ausgehen musste zu einem noch lebenden Patienten (oder zumindest einen noch reanimierbaren), also zu einem Notfall, gerufen zu werden. Dies würde aber dann unweigerlich auch ein sofortiges Erscheinen bedingen, da der Arzt dann auch zwingend von einem Notfall ausgehen muss. In Fällen, in denen der Arzt erst Stunden später zum Verstorbenen kommt, kann vorausgesetzt werden, dass der Arzt nicht von einem Notfall ausging. Eine Berechnung der Ziffer 50 ist dann nicht gerechtfertigt.
 
Bei der Abrechnung der Ziffer 50 werden in der Regel auch Zusatzpositionen nach den Buchstaben E (Zuschlag für unverzüglich erfolgte Ausführung – schließt dann jedoch F, G und H aus; 9,33 Euro), F (Zuschlag zwischen 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr und zwischen 6.00 Uhr bis 8.00 Uhr; 15,15 Euro), G (Zuschlag zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr; 26,23 Euro) sowie H (Zuschlag für Samstag, Sonn- oder Feiertag; 19,82 Euro) berechnet. Diese Zuschläge sind generell nur im Zusammenhang mit der Ziffer 50 (Hausbesuch) anrechenbar, nicht jedoch im Zusammenhang mit der Ziffer 100 (Leichenschau).
 
Zusammen mit der Leichenschau kann Ziffer 50 und die damit verbundenen Zuschläge E, F, G und/oder H nur dann berechnet werden, wenn der Arzt bei seinem sofort erfolgten Besuch von einem Notfall bei einem noch lebenden Patienten ausgehen musste. Dabei spielt es keine Rolle ob der Patient beim Eintreffen des Arztes noch lebt oder bereits verstorben ist.
 
Zudem kann Ziffer 50 nebst Zuschlägen nur an die Angehörigen berechnet werden, wenn der Verstorbene Privatpatient, also privat krankenversichert war. In allen Fällen, wo es sich beim Verstorbenen um einen Kassenpatienten, also einen gesetzlich Krankenversicherten, gehandelt hat, muss der Arzt die Ziffer 50 nebst möglichen Zuschlägen mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen. Eine Berechnung an die Hinterbliebenen ist hier nicht korrekt.
 
Das Negativ-Beispiel einer Leichenschau-Rechnung
 
Was Ärzte im Zusammenhang mit der Leichenschau und Todesbescheinigung vielfach versuchen abzurechnen ist hanebüchen und entbehrt oft jeder rechtlichen Grundlage. Die Bestatter sitzen da zwischen zwei Stühlen und sind im Streitfall die Dummen. Das kann so nicht mehr länger hingenommen werden.
 
Unsinnige Notdienstregelung in Westfalen-Lippe
 
Seit dem 1. Februar 2011 gibt es im Bereich Westfalen-Lippe eine neue Notdienstregelung für alle Zeiten außerhalb der regulären Sprechzeiten der Arztpraxen. Abgesehen dass dies für kranke Patienten nicht nur aufwändiger sondern auch schwieriger und langwieriger (und somit völlig unzureichender) als die bisherige Praktik mit den ortsansässigen Ärzten ist, wirkt sich dies vor allem auch auf die Leichenschauen aus.
 
Zuständig für den Bereitschaftsdienst sind nicht mehr die ortsansässigen Ärzte, sondern Ärzte, die oft von außerhalb kommen und Anfahrtswege von 30 km und mehr haben. Da dauert die einfache Anfahrt schon mal eine Stunde und mehr, in denen der Arzt auch für lebende Patienten nicht zur Verfügung steht. Jedenfalls können sich die Rettungsleitstellen und Notaufnahmen der Krankenhäuser seit Einführung dieser für die meisten Menschen nicht nachvollziehbaren Regelung nicht mehr über Arbeitsmangel beklagen.
 
Solche Anfahrtswege und Einsatzzeiten sind sicherlich bei einer Leichenschau für den Arzt nicht zufrieden stellend berechenbar. Also werden hier alle Positionen gemäß GOÄ aufgelistet, die man glaubt auflisten zu können. Das mag zwar verständlich und nachvollziehbar sein, ist jedoch für den Zahlungspflichtigen nicht gerechtfertigt und unzumutbar – abgesehen davon, dass es rechtlich nicht korrekt ist.
 
Ein aktuelles Negativ-Beispiel aus Westfalen-Lippe
 
Im Ort A stirbt der Bewohner eines Altenheimes. Gegen ca. 9.15 Uhr an einem Samstagvormittag wird vom Personal der Arzt im Bereitschaftsdienst über den Sterbefall informiert und zur Leichenschau gebeten. Der Arzt befindet sich in seiner Praxis in Ort B. Zwischen den beiden Orten liegt eine einfache Wegstrecke von rund 35 km, die eine normale Fahrzeit von mindestens 40 Minuten für die einfache Strecke bedeutet. Somit kann man davon ausgehen, dass der Arzt für die Leichenschau bei korrekter Ausführung mindestens 2 Stunden unterwegs ist.
 
Während dieser Zeit steht er für Kranke, also lebende und Hilfe benötigende Patienten nicht zur Verfügung. Also sagt er sich, ich fahre da heute Abend hin, dann ist es etwas ruhiger und ich kann wenigstens noch einen höheren Tarif herausschlagen – sonst lohnt sich die Anfahrt ja nicht.
 
Ob dies tatsächlich im besagten Fall die Gründe waren, mag dahingestellt bleiben. Zumindest aber wäre es theoretisch nachvollziehbar. Jedenfalls erschien der Arzt dann tatsächlich gegen 22.30 Uhr am Abend. Das waren mehr als 12 Stunden nach seiner Benachrichtigung und damit auch keinesfalls mehr gesetzeskonform nach den Buchstaben des Gesetzes im Sinne von „unverzüglich“.
 
Ein unkorrektes Rechnungsbeispiel
 
Eine Kopie der Rechnung zum vorgenannten Fall liegt mir vor. Berechnet wurden die folgenden Positionen zu den hier genannten Preisen:
 
  1. Wegegeld § 8 35 km = 25,56 Euro
  2. 50 Hausbesuch = 42,90 Euro
  3. 100 Untersuchung des Todes = 51,00 Euro
  4. G Zuschlag Zeit zwischen 22 & 6 Uhr = 26,23 Euro
  5. H Zuschlag für Samstag = 19,82 Euro
 
Dies ergibt einen berechneten Gesamtbetrag von 165,51 Euro. Hierbei handelt es sich in keiner Beziehung um eine korrekte Abrechnung. Abgesehen davon dass etliche steuerrechtliche, zwingend notwendige Rechnungsangaben fehlten, auf die hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll, sind hier Positionen einerseits in zweifelhafter Höhe und andererseits ungerechtfertigt berechnet worden.
 
Pos. 1 (Wegegeld) kann, wie schon erwähnt, korrekt abgerechnet werden. Fragwürdig ist im vorliegenden Fall jedoch die Abrechnung zum Nachttarif weil der Arzt mehr als 12 Stunden nach Benachrichtigung und damit nicht gesetzkonform vor Ort war. Eine Leichenschau vor 20.00 Uhr wäre (nicht nur per Gesetz deutlich vor 20.00 Uhr) sicherlich möglich und per Gesetz zwingend erforderlich gewesen. Somit wäre aus gleichem Grund auch der Zuschlag gemäß Buchstabe G überhaupt nicht berechenbar gewesen.
 
Pos. 3 (Leichenschau nach Ziffer 100) ist die anrechenbare Hauptposition. Sie wurde im vorliegenden Fall mit dem 3,5fachen Satz und damit auch mit dem Höchstsatz in Höhe von 51,00 Euro abgerechnet. Dieser Höchstsatz bedingt jedoch eine erschwerte Leichenschau, die im genannten Fall nach Auskunft der Bestattungsangestellten kaum gegeben sein dürfte. Abgesehen davon ist der erhöhte Satz in der Rechnung nachvollziehbar zu begründen, was jedoch nicht geschah.
 
Da die drei restlichen Positionen überhaupt nicht berechenbar waren, hätte die korrekte Rechnung mit Nachweis, dass der Höchstsatz zu Ziffer 100 berechtigt war einen Gesamtbetrag von 66,34 Euro ergeben dürfen. Somit lag die tatsächliche Rechnung um rund 100 Euro zu hoch.
 
Nicht anrechenbar in Rechnung gestellte Positionen
 
Pos. 2 (Hausbesuch nach Ziffer 50) war im genannten Fall auf gar keinen Fall anrechenbar. Eine Berechnung dieser Position setzt ja zwingend voraus, dass der Arzt unbedingt von einem Notfall ausgehen musste, bei dem er zu einem noch lebenden Patienten gerufen wird. Anhand der Benachrichtigung durch das Heim wusste er aber, dass er zur Leichenschau bei einem Verstorbenen gerufen wurde. Zudem ist sein diesbezügliches spätes Erscheinen (mit gut 12 Stunden) schon alleine Beweis, dass im genannten Fall der Arzt nicht von einem Notfall ausging.
 
 Versichertenkärtchen aus der gesetzlichen Krankenversicherung. In diesen Fällen sind berechtigte Hausbesuche über die Kassenärztliche Vereinigung abzurechnen.
(Foto: © Axel Ertelt)
 
Somit hätten auch die beiden berechneten Zuschläge nach den Buchstaben G und H (Pos. 4 und 5) nicht berechnet werden dürfen. Hinzu kommt, dass es sich beim Verstorbenen um einen Kassenpatienten handelte. Damit hätte die Abrechnung dieser Positionen (allerdings nur im berechtigten Fall, der hier ja nicht vorlag) nicht über die Angehörigen, sondern über die Kassenärztliche Vereinigung erfolgen müssen.
 
Ansätze zur Konfliktvermeidung beim Ärger mit der Leichenschau
 
Als Resümee ein paar Worte zur Situation der Ärzte, Angehörigen und Bestatter im Konflikt mit der Leichenschau und Todesbescheinigung und deren Berechnung durch die Ärzte. Sollte in den Folgen dieser Abhandlung der Eindruck entstanden sein, dass alle Ärzte von den geschilderten Umständen betroffen sind, so möchte ich hier noch einmal ausdrücklich erwähnen, dass dies nicht so ist. Es gibt auch Ärzte, die führen die Leichenschau gewissenhaft und korrekt aus und berechnen anschließend auch nur dass, was offiziell abgerechnet werden darf.
 
Sind die Ärzte für die Leichenschau unterbezahlt?
 
In Anbetracht dessen, was die Ärzte offiziell dafür berechnen dürfen, muss die Frage bei gesundem Menschenverstand und im Vergleich zu anderen Branchen sicherlich mit Ja beantwortet werden. Eine korrekte Abrechnung für eine ihnen vom Gesetzgeber faktisch aufgezwungene Arbeit stellt eine deutliche Unterbezahlung dar, für die die meisten Menschen auf freiwilliger Basis diese Arbeit garantiert ablehnen würden. Auch das muss einmal deutlich gesagt werden.
 
Für Aussagen von Ärzten, wie beispielsweise schon im Deutschen Ärzteblatt" von niedergelassenen Ärzten zum Thema in Leserbriefen geäußert die da (sinngemäß) lauteten: „Für eine nicht ordentliche Bezahlung kann niemand eine ordentliche Arbeit verlangen.“ kann aber kaum Verständnis aufgebracht werden.
 
Um hier Abhilfe zu schaffen sind sicherlich vor allem die Ärzteverbände in der Pflicht. Auch dafür sollten sie schließlich da sein. Bis es aber eine offizielle und gültige neue Regelung gibt, müssen sich die Ärzte an das halten, was gerechtfertigt und erlaubt (Abrechnung) sowie gesetzlich vorgeschrieben (Leichenschau) ist.
 
Die Medical Tribune hat in der Vergangenheit die Ärzte zu unkorrekten Handlungen aufgefordert, indem sie dazu animierte „weiterhin regelhaft die Nr. 50 neben der Nr. 100 anzusetzen“. Dazu wurde bereits in Deutsches Ärzteblatt (vom 30.11.2001) gewarnt: „Wer sich … dazu verleiten lässt, weiterhin regelhaft die Nr. 50 neben der Nr. 100 anzusetzen, weil ‚der kleine Betrag des Arztes im großen Grundrauschen der Bestattungskosten untergeht’, läuft Gefahr, sich mit dem Vorwurf des Abrechnungsbetrugs auseinander setzen zu müssen.“
 
Der Bestatter ist der Dumme im Streit um die unkorrekten Abrechnungen
 
Bezahlt der Bestatter dem Arzt seine Rechnung für die Leichenschau im Voraus und kommt es dann anschließend zu Beanstandungen der Angehörigen, die die Rechnung in der ungerechtfertigten Höhe (zu Recht) nicht anerkennen und bezahlen, hat der Bestatter das Problem sein Geld zurück zu bekommen. Der Arzt wird es in der Regel nicht mehr freiwillig zurückgeben und die Angehörigen bezahlen allenfalls die um die ungerechtfertigten Posten gekürzte Rechnung. Dies bedeutet dann im konkreten Fall: Der Bestatter kann das Geld nur noch auf dem Rechtsweg beim Arzt geltend machen.
 
Somit sitzt der Bestatter quasi zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite die Ärzte, mit denen man es sich nicht unbedingt verderben will und auf der anderen Seite die Angehörigen, denen man zur Korrektheit verpflichtet ist.
 
Muss also der Bestatter auf einem Teil der verauslagten Gelder sitzen bleiben und diese aus eigener Tasche bezahlen? Wohl kaum! Wie aber kann dieses Problem, auch in Anbetracht eines drohenden Rechtsstreits verhindert werden?
 
Dringend zu empfehlen ist, dass die Bestatter für die Rechnung der Leichenschau und Todesbescheinigung nicht mehr in Vorleistung treten und diese dem Arzt erst dann bezahlen, wenn sie das Geld von den Angehörigen bekommen haben. Dies sollte dem jeweiligen Arzt klipp und klar mitgeteilt werden. Ist der Arzt nicht damit einverstanden kann er alternativ seine Rechnung direkt an die Angehörigen senden, denen dann der Bestatter aber eine entsprechende Information an die Hand geben sollte, wie eine korrekte Berechnung einer Leichenschau und Todesbescheinigung auszusehen hat.
 
Eine entsprechende Information von der Ärztekammer Nordrhein als Körperschaft des öffentlichen Rechts unter dem Titel „Abrechnung der ärztlichen Leichenschau nach GOÄ“ kann unter diesem Link als einseitiges PDF-Info herunter geladen und den Angehörigen zur Information zur Verfügung gestellt werden.
 
Sollte der Arzt bei nicht sofortiger Zahlung die Herausgabe der Todesbescheinigung verweigern, so sollte ihm klar gemacht werden, dass dann eine neue Leichenschau durch einen korrekten Kollegen veranlasst würde und ihm dann keinerlei Ansprüche mehr zustehen und außerdem rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet werden könnten, da er entgegen bestehendem Gesetz die Todesbescheinigung nicht bei der Leiche gelassen hat und diese sogar jetzt noch verweigert.
 
Sogenannte Pauschalrechnungen, in denen lediglich eine x-beliebige Summe enthalten ist, sollten verweigert und eine ordentliche Rechnung verlangt werden. Nur so kann auch der Bestatter vor Problemen, Reinfällen und Kosten sicher sein…
 
Eine mögliche Alternative zur gängigen Praktik?
 
Ärzte im Notdienst argumentieren immer wieder, dass sie bei einem ihnen unbekannten Patienten die Krankheitsgeschichte nicht kennen und deshalb erst nach Rücksprache mit dem Hausarzt die Todesbescheinigung ausstellen können, da sie erst dann Rückschlüsse auf die Todesursache ziehen können.
 
Dies kann durchaus nachvollzogen werden. Doch es gäbe da sicherlich eine Alternative. Die Todesbescheinigung besteht aus zwei Teilen, nämlich den öffentlichen Teil, der auch zur Beurkundung am Standesamt erforderlich ist und dem verschlossenen vertraulichen Teil. Und nur im letzteren steht die Todesursache. Der öffentliche (grüne) Teil enthält lediglich die Personalien und die Vermerke über Todesart (natürlich, ungeklärt, nicht natürlich) und die Hinweise auf ansteckende Krankheiten.
 
Mindestens dieser könnte durchaus von jedem Arzt direkt bei der Leiche gelassen werden. Dadurch könnte die Bestattung ordnungsgemäß in die Wege geleitet werden und der Bestatter müsste nicht wegen des Fehlverhaltens des Arztes rechtswidrig handeln und den Leichnam ohne Todesbescheinigung überführen. Zudem kann man ersehen, ob der Leichnam wegen ansteckender Krankheiten (oder Verdacht darauf) besonders behandelt werden muss. Das Gesundheitsrisiko des Bestatters, seiner Gehilfen und anderer, die direkten Umgang mit dem Leichnam haben, könnte somit ausgeschlossen werden.
 
Ende(?)
 
 
Wichtiger Hinweis: Diese Abhandlung zeigt lediglich die Problematik eines Themas auf. Sie stellt in keinerlei Weise eine Rechtsberatung dar. Falls Sie Probleme mit dieser Thematik haben, sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt Ihrer Wahl wenden. Alle hier genannten Informationen sind für jedermann im Internet frei aufrufbar und verfügbar. Als Quellen wurden insbesondere die GOÄ, das BestG NRW, Informationen der Ärztekammer Nordrhein sowie Berichte aus dem „Deutschen Ärzteblatt" benutzt.
 
Erstveröffentlichung dieses Artikels in 4 Teilen (Teil 1 (21.06.2011), Teil 2 (23.06.2011), Teil 3 (25.06.2011), Teil 4 (03.07.2011)) auf der OZ24.
 
Eingestellt am 06.07.2011. Letzte Aktualisierung am 17.08.2012, 14.03 Uhr.
  

 
Neue Trauergruppe für Kinder in Kierspe
 
(AE, 08.09.2012) Wenn Kinder nahe stehende Angehörige oder Freunde verlieren können sie dies oft nicht richtig verarbeiten und die Erwachsenen in der Familie fühlen sich oft nicht in der Lage den Kindern zu helfen. In diesen Situationen gibt es sogenannte Trauergruppen; die unter kompetenter Leitung den Kindern helfen ihren Schmerz und ihre Trauer richtig zu verarbeiten. Eine solche Gruppe für Kinder im Alter von (ca.) 6 bis 12 Jahren gibt es nun auch in Kierspe im Märkischen Kreis.
 
An jedem ersten Samstag im Monat trifft sich im Lutherhaus (Fr.-Ebert-Str. 362) in 58566 Kierspe die konfessionslose und somit für alle Konfessionen offene Trauergruppe Schneckenhaus von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Zeitgleich findet das Offene Trauercafe für die Erwachsenen statt. Träger ist die Ev. Kirchengemeinde Kierspe. Anmeldung und Kontaktaufnahme über Frau Beate Kolb, Erzieherin und Kindertrauerbegleiterin unter Telefon Nr. 02353-6613920 oder über schneckenhauskierspe@gmx.de.
 

 

 


nPage.de-Seiten: http://schwabendeern.npage.de | Mathis Künzler Fanseite zum Forum